Rechtsanwalt Hans-Peter Weber

Aktuell: Pauschalreisen


Mängel bei Pauschalreisen

Mitgeteilt von Rechtsanwalt Hans-Peter Weber im Dezember 2002

Die Bundesbürger hatten im Jahre 2001 mehr als 40 Millionen Pauschalreisen gebucht, also solche Reisen die ein Reiseveranstalter mit einem Paket von Leistungen anbietet. Fraglos be-steht der Bedarf an juristischer Beratung, wenn die gebuchte Pauschalreise nicht im Sinne des Reisenden verlaufen sollte. Die Reklamationsquote lag im vergangenen Jahr bei rund 4 %. Zur Sicherung der Ansprüche ist es grundsätzlich erforderlich, bereits am Urlaubsort aktiv zu werden. Problematisch ist, dass oft überzogene Maßstäbe angelegt und weit überhöhte Beträge geltend gemacht werden.

Die Ansprüche setzen einen Mangel der Reise voraus. Eine Reise ist kurz gesagt dann mangelhaft, wenn der mit ihr bezweckte Nutzen beeinträchtigt ist oder der Reise die zugesicherten Eigenschaften fehlen, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem Nutzen aufheben oder mindern. Unerhebliche Beeinträchtigungen sowie Unannehmlichkeiten oder orts-/landesübliche Beeinträchtigungen sind kein Mangel. Grundsätzlich ist der Mangel dem Reiseveranstalter noch am Urlaubsort anzuzeigen. Zwecks der Beweissicherung ist hierfür die Schriftform zu empfehlen und eine Kopie mit Empfangsbestätigung zu den eigenen Unterlagen zu nehmen.

Der Reisende kann zum einen den Reisemangel der örtlichen Reiseleitung des Urlaubsortes anzeigen und innerhalb einer angemessenen Frist Abhilfe verlangen. Ist die Frist fruchtlos verstrichen, steht dem Reisenden ein Recht zur Selbstabhilfe zu. Aufwendungen (z.B. Kosten für ein Ersatzquartier) sind dann vom Reiseveranstalter im erforderlichen Rahmen zu tragen.

Die wohl gängigste Form von Ersatzansprüchen ist die Minderung des Reisepreises. Auch hier ist erforderlich, dass der Reisende den Mangel dem Veranstalter vor Ort anzeigt. Die Höhe der Minderung ist anhand des konkreten Einzelfalles zu ermitteln, wobei vom Gesamtpreis der Reise ausgegangen wird und das Ausmaß der Beeinträchtigung von zahlreichen Beurteilungskriterien abhängig ist.

Daneben besteht auch die Möglichkeit, Schadensersatz zu verlangen, wenn die Voraussetzungen einer Reisepreisminderung erfüllt sind und der Reiseveranstalter den Mangel schuldhaft verursacht hat. So die Reise durch den Mangel vereitelt oder wesentlich beeinträchtigt wird, hat der Reisende einen Entschädigungsanspruch, wenn die Urlaubszeit nutzlos aufgewendet wurde. Auch hier wiederum ist die Höhe der angemessenen Entschädigung in Geld anhand aller Umstände des Einzelfalles zu ermitteln.

Damit der Reisende mit seinen Ansprüchen nicht ausgeschlossen ist, muss er innerhalb eines Monats nach Beendigung der Reise die Mängelansprüche grundsätzlich beim Reiseveranstalter anmelden. Wichtig ist, dass das Anmeldeschreiben spätestens am Tag des Fristablaufes noch innerhalb der allgemein üblichen Geschäftsstunden zugegangen ist. In der Anzeige sind die Mängel konkret zu benennen. Es besteht also schon unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Urlaub Handlungsbedarf für den Reisenden. Idealerweise erfolgt die Mängelanzeige per Tele-fax oder Einwurfeinschreiben, damit der rechtzeitige Zugang auch nachgewiesen werden kann.

Die Ansprüche verjähren seit Inkrafttreten der Schuldrechtsreform am 01.01.2002 nunmehr nicht mehr nach 6 Monaten, sondern nach 2 Jahren, beginnend mit dem vertraglich vorgesehenen Ende der Reise. Es besteht indessen die Möglichkeit, die Frist vertraglich auf ein Jahr zu verkürzen.

Da es häufig Schwierigkeiten bereitet, den anspruchsbegründenden Sachverhalt aufzuklären, sollte diese Verjährungsfrist indessen nicht ausgereizt werden. Insbesondere soll der Reisende, da er für die Anspruchsvoraussetzungen darlegungs- und beweispflichtig ist, sämtliche geeigneten Beweise - z.B. Lichtbilder, Videoaufnahmen, Zeugen, Kopien von schriftlichen Mänge-lanzeigen - schon während der Reise zusammentragen, um seine Position in einer denkbaren rechtlichen Auseinandersetzung nicht zu schwächen.

© Mitgeteilt von Rechtsanwalt Hans-Peter Weber im Dezember 2002



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